Watt für ein Bild

IB Echte P1 23.07.

Der Insel-Bote sollte heute (23.7.2016) auf dem Titel mit diesem Bild von Jochen Hein (Beitragsbild wok) erscheinen. Die schrecklichen Ereignisse gestern Abend in München zwangen uns zu der späten Entscheidung: Wir tauschten die Seiten 1 und 3 im Insel-Boten. Aktualität geht natürlich vor. Die besondere Insel-Boten-Seite mit dem Bild von Jochen Hein lag also in der gedruckten Ausgabe auf der Drei. Jochen Hein schrieb: „Ist doch klar … Zeitung muss aktuell sein. Uns kann die tolle Aktion trotzdem niemand nehmen!“

Auf der ersten Lokalseite erklären wir diesen Abschluss der #inselhelden-Aktion.

Watt für ein Bild

Wyk/Hamburg – Jochen Hein hat uns ein Bild geschenkt. Eine Insel-Botschaft für den Insel-Boten. Wie viele Buchstaben, Wörter, Sätze haben in der Geschichte dieser Zeitung die Titelseite gefüllt? Heute kein Wort. Nur das eine Bild. Es ist auf Föhr entstanden, nicht körperlich, aber dort wo das kreative Zentrum eines Künstlers sitzt, irgendwo zwischen Herz, Kopf und Bauch.

Die Entstehungsgeschichte

Für das #inselhelden-Projekt (fünf Chefredakteure übernehmen eine Woche lang die Lokalredaktion des Insel-Boten auf Föhr) war immer klar: Das Museum Kunst der Westküste in Alkersum wird ein Thema im Blatt. Wer mit dem Blick des Fremden auf diese wunderbare Insel kommt, muss mit den Augen in Alkersum hängen bleiben. Weil das Museum dort so überraschend ist. Den Blick weitet. Eine der aktuellen Ausstellungen trägt den Titel „Über die Tiefe“. Es sind Bilder von Jochen Hein (55). Der Maler ist in Husum geboren, lebt und arbeitet in Hamburg. Was ist besonders an den Bildern von Jochen Hein? Vielleicht nehmen Sie sich die Titelseite zur Hand und folgen mir und den Pinselstrichen dieses Meisters.

Klare Bildsprache

Auf den ersten Blick sind die Werke von Jochen Hein klar: Sie zeigen tosendes Wasser oder sattes Gras oder hoch konzentrierte, lebensgroße Porträts. Das Bild, das in der Nacht zu Freitag eigens für den Insel-Boten entstand, zeigt eine Abendstimmung am Watt. Das, was so filigran komponiert scheint, sind bei näherer Betrachtung grobe Pinselstriche in Acryl. Bei Hein scheint alles bedacht, natürlich, und doch regiert der Zufall. Je näher wir an seine Bilder herantreten, desto abstrakter werden sie, lösen sich auf in Kraft, Bewegung, Markierungen, Chaos.

Ein Abend am Watt

Der Künstler sieht Föhr mit dem Blick des Hergereisten. So wie wir. Prof. Dr. Ulrike Wolff-Thomsen, Direktorin des Museums Kunst der Westküste, und ihre Mitarbeiterin Christiane Morsbach haben uns „Inselhelden“ mit dem Künstler zusammengebracht. An einem Abend am Watt. Am Tag drauf eilte der Künstler ins Hamburger Atelier. Er musste malen.

Das schwindende Licht taucht Horizonte in changierende Farben. Wolken überschlagen sich. Das Watt tritt konturscharf aus der schwindenden See. Und verschwindet in der Finsternis. Sehen Sie das vergehende Licht? Diese einmalige Stimmung der Insel? Jochen Hein hat mit wenigen Strichen das Wesen dieses Erdenflecks gebannt. Wie viele Wörter wären zwingend, das gleichsam zu erfassen? Viele. Und so zum Abschluss einer Woche „Inselhelden“ eine großartige Titelseite, wie es sie noch nie gab. Und nie wieder geben wird. „Watt für ein Bild“, sagen wir im Ruhrgebiet. Danke Jochen Hein!

Wolfram Kiwit

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